Kapitel 14 Der bittere Nachgeschmack der Macht

„Wissen Sie, Herbert“, begann Alma und schob dem Bürgermeister die Tasse mit einer Geste zu, die sowohl mitleidig als auch drohend wirkte, „Zucker maskiert den bittersten Geschmack. In der Pflege nutzen wir ihn, um den Patienten die Medizin schmackhaft zu machen, die sie eigentlich nicht schlucken wollen. Lukas war wie dieser Kaffee – pur, ungeschönt und viel zu stark für Ihren empfindlichen Magen.“

Schlemmer lachte hohl, ein trockenes Geräusch, das in der Stille der Backstube wie brechendes Glas widerhallte. Er nahm einen Schluck, verzog das Gesicht und lehnte sich vor. Das künstliche Licht betonte die tiefen Furchen seines Gesichts, die wie Narben einer korrupten Karriere wirkten. „Du redest in Rätseln, Alma. Lukas war ein instabiler Junge, der den Druck der Moderne nicht ausgehalten hat. Ein tragischer Unfall, mehr nicht. Dass er ausgerechnet in seinem eigenen Dinkelmehl sterben musste… nun ja, das Schicksal hat einen grausamen Humor.“

Alma fixierte ihn mit ihren hellwachen Augen, in denen sich das Flackern der Neonröhre spiegelte. „Das Schicksal trägt in Robenhausen oft einen Massanzug oder eine Kräuterschürze. Ich habe Lukas sterben sehen, Herbert. Seine Pupillen waren so weit wie die Abgründe Ihres Gewissens. Das war kein Herzversagen. Das war die perfekte Synergie aus politischem Kalkül und botanischem Fachwissen.“ Sie wandte ihren Blick zu Gisela, die unruhig auf ihrem Stuhl hin und her rutschte. „Nicht wahr, Gisela? Der Eisenhut in Ihrem Garten hat diesen Herbst besonders prächtig geblüht. Genug Gift, um ein ganzes Dorf zum Schweigen zu bringen, wenn es droht, die Fundamente von 1984 freizulegen.“

Gisela zischte wie eine aufgeschreckte Viper. „Er wollte alles zerstören! Den Ruf des Marktes, die Pachtverträge, die Ordnung, für die wir Jahrzehnte gearbeitet haben! Er wollte die alten Akten aus dem Archiv zerren, die längst zu Staub zerfallen sein sollten. Er war ein Verräter an seinem eigenen Blut!“ Das Geständnis hing in der Luft, schwer und unausweichlich wie der Duft von Verwesung. In der Dunkelheit hinter den Mehlsäcken lächelte Sophie grimmig. Die Falle war zugeschnappt, und die Gier der Verdächtigen hatte den Riegel vorgeschoben.

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